Mit dem Rad von Garmisch an den Gardasee

Um die Navigation etwas zu erleichtern, kann man jetzt rechts >>> unter "Themen" direkt auf die Etappen zugreifen.. Ich hoffe, das erleichtert Euch die Übersicht etwas..

Habe jetzt einige Bilder unter "BONUSMATERIAL" (s. rechts >>> ergaenzt, da kommt laufend etwas von meiner gut gefüllten SD-Karte hinzu


13.9.13 18:47, kommentieren

...



11.9.13 21:54, kommentieren

Wrap up..

Sie ging schnell vorbei, diese reichliche Woche im Sattel. Ich bin die Tour ganz gezielt allein angegangen, um mein eigenes Tempo fahren zu koennen, bzgl. aufstehen und zu Bett gehen ganz auf meine innere Uhr hoeren zu koennen und vor allem: Jede gute Gelegenheit fuer ein Photo, ein Radler oder einen Lattecchino spontan nutzen zu koennen.

So habe ich die Tour als touristisches "Slowfood" genossen und dabei nur 2 Tage laenger gebraucht, als viele organisierte Touren. Dafuer aber eine Unzahl von Photos, viele schoene Erinnerungen an grandiose Landschaften und herzliche Menschen mitgebracht. Die Statistik sagt: 440km und 5800 Höhenmeter mit Gepäck sind bewältigt, ein ausgewogenes Verhältnis von sportlicher Herausforderung und kulturellem und kulinarischem Genussfaktor war ja das Ziel der Reise.

Wem kann man so eine Tour empfehlen? Eigentlich niemandem, der nicht von sich aus das Beduerfnis spuert, einmal ganz frei zu sein, einmal zu spueren, wie wenig man braucht, und im wahrsten Sinn des Wortes Ballast abzuwerfen (dazu kann man eine Kuechenwaage nutzen, muss man aber nicht ;-) 

Also, der Virus (s. rechts: "Warum Transalp?" wirkt noch, ich habe Unmengen Sauerstoff in mich gepumpt, und fuehle mich wie neugeboren. Die naechste Transalp kommt bestimmt: Frei nach dem Motto: "Nach der Tour ist vor der Tour.."

 

17.9.13 09:54, kommentieren

Zurück zu Hause

So, inzwischen bin ich zurück und habe die Rückfahrt mit der Regionalbahn von Rovereto nach Garmisch (3x umsteigen ;-) ) genutzt, um auf meinem Tab noch ein bisschen Text zu schreiben, den werde ich heute abend posten.

Weitere Bilder kommen dann die nächsten Tage..

 

9.9.13 09:53, kommentieren

Ausruhen in Malcesine



Am späten Nachmittag gönne ich mir noch eine kleine Weiterfahrt über Limone nach Malcesine, das macht sich mit der Fähre deutlich einfacher als mit dem Rad..

Unerwartet für die Jahreszeit sind die Hotels im Ort weitgehend ausgebucht, so muss ich ein bisschen nach ausserhalb ins "San Remo" ausweichen, was den Vorzug eines direkten Strandzugangs zum Baden mit sich bringt.

Und, hier gibt es auch herrliche Spaghetti mit Miesmuscheln zum Bier..



7.9.13 21:19, kommentieren

Ankunft in Riva

Am nächsten Morgen verschwende ich nicht viel Zeit für das spärliche Frühstück, und freue mich stattdessen schon auf einen ordentlichen Kaffee am Ziel meiner Reise. Die Sonne freut sich mit mir, das Pferd riecht den Hafer und scharrt mit den Hufen, um endlich den Passo del Ballino hinauf auf 1000müNN zu galoppieren, und dann vorbei am Lago di Tenno die Serpentinen zu erreichen, die sich steil nach Riva hinunterschlängeln.

 

Das Tal liegt im Morgendunst, eingerahmt von steilen 2000ern, und plötzlich zeigt sich ein erster blaugrauer Zipfel des Lago di Garda.. Noch ein Fotostop


und dann werde ich einen ganz kurzen Augenblick doch ein wenig sentimental..Geschafft! Von Garmisch zum Gardasee - einmal mit dem Rad quer über die Alpen, über dieses so wunderschöne Gebirge in der Mitte Europa's..

Schwungvoll nehme ich die Kurvenserie hinunter nach Riva, der Latte Macchiato an der Uferpromenade ist heute ganz besonders lecker..

 


1 Kommentar 7.9.13 12:50, kommentieren

Etappe 8: Mezzolombardo nach Riva

Nachdem ich gestern ziemlich lange mit verschiedenen Apps an den Bildern gebastelt habe, starte ich heute morgen nach ausgiebigem Frühstück in Mezzolombardo auf 250müNN. Es ist ersteinmal bedeckt und ordentlich schwül, dicke Quellwolken verheissen zunächst nichts Gutes.

Irgendwie habe ich heute etwas Blei in den Beinen, als der Weg hinter einer Reihe hübscher Weingüter endet, die von beeindruckenden, senkrecht aus dem Talboden aufragenden Felsen eingerahmt werden.

 


An der Zufahrt zum Tunnel geht das Rätselraten nach der richtigen Strecke wieder los.

Ich bin aber nicht der einzige Ratlose, ein Italiener auf vier Rädern bleibt neben mir stehen und fragt nach dem Weg. Ich fühle mich geehrt, aber weder mein Prego-Grazie-Italienisch noch meine ebenso dürftige Ortskenntnis helfen weiter. Trotzdem, ein freundliches `Arriverderci` motiviert mich bis zur nächsten Tornante, wie die Serpentinen hier heissen. Dies ist der letzte ernsthafte Pass auf dieser Reise, denke ich, also den Stier an den Hörnern gepackt und Vamos!

 


 

Nach endlosen weiteren Tornanten komme ich am Castello Belfort (einer ganz respektablen Ruine) an, gönne mir gegenüber ein Radler (Preis unter diesen Umständen ca. 0.1EUR/sec). Mann, es ist aber auch schwül...  Zwischendurch ein kleiner Stop an der "La Bottega Del Formaggio El Ciasel Di Zeni Carla Albina", ursprünglich, um Wasser nachzutanken, aber dann verlasse ich den Laden mit einem Stück richtig leckerem Käse und Schokolade der Geschmacksrichtung"Pino Mugo", deren Reste ich hier beim Schreiben auf der Zunge zergehen lasse.. Es gab auch welche mit kleinen blauen Pillen (kein Witz!) Also, auch hier gilt: "6sells".

Die kleinen Orte hier oben sind wie aus dem Ei gepellt, überall gibt es Picknickbänke, aber kein einziges Panificio mehr! Am letzten seiner Artbin ich wenige Kilometer vor der Formaggeria vorbeigefahren. Werde also den Käse ohne Semmel verdrücken müssen. Immer höher schrauben sich die Serpentinen, um dann in der Mittagshitze knapp über 1000m zu erreichen.


Nun denke ich: Geschafft!, was sich dann aber doch als Irrtum herausstellen sollte. Ersteinmal geht es beindruckend steil abwärts bis Molveno, wo der ganz kleine Bruder des Gardasees mit einer wirklich atemberaubenden Kulisse beeindruckt. Zunächst versuche ich es auf der westlichen Seeseite, tausche dann aber die eigentlich schöne MTB Strecke gegen etwas ein, was mich auf der Ostseite aus der Ferne schon verheissungsvoll angelacht hat: Die Terasse des Lago Park Hotels, super Blick, kaltes Bier, heisser Cappucino..

Ich denke noch ein bisschen mitleidig an die geführte Bikertruppe, die mich auf der Westseite fasst umgefahren hatte, die waren definitiv nicht zum Spass in dieser Gegend! Naja, jeder, wie er es mag.

 



Ich folge weiter brav meiner downgeloadeten Route, diese führt mich über einen alten Maultierpfad rumpelnd sehr steil bergab in das 3Häuserdorf Moline, dessen Wasserfall und alte Steinbrücke ein wirklich schönes Fotomotiv abgeben, zumal die Sonne wieder mal richtigherumsteht.

 

Die Freude darüber weicht aber bald der Erkenntnis, dass ich mir die Aktion mit fast 200 Strafhöhenmetern erkauft habe, nein, nicht fürs Konto, die sind sofort fällig. Die ganze Aktion kostet mir in Summe fast eine Stunde, die mir am Ende des Tages fehlen wird. Aber der Ärger darüber wird verfliegen, die Fotos bleiben.



Irgendwann hinter Lomaso habe ich keine große Lust mehr, noch weitere 300Hm weiterzustrampeln, um letztlich im Dunkeln die Serpentinen nach Riva herunterzurollen und eine Unterkunft zu suchen. Ich hatte mir schon schön ausgemalt, wie ich von oben den Gardasee erblicken und Riva unter mir in der Sonne glänzen würde.

Also packe ich die Gelegenheit beim Schopf, verschiebe die letzten paar Kilometer auf morgen und  nehme in Stumiaga in der "Albergo Rosa Alpina ***" Nachtquartier. Naja, der Schweiß auf der Brille hatte wohl den Blick etwas getrübt,wenn es hier überhaupt Sterne gibt, dann höchstens einen. Meine Empfehlung: Im weiten Bogen umfahren!


  

7.9.13 12:40, kommentieren

Etappe 7: Vom Gampenjoch nach Mezzolombardo

Gut gelaunt und gut gefrühstückt verlasse ich das Gampenjoch nebst Gasthof Richtung Süden.

Nach dem gestrigen Abendprogramm kommt es mir sehr gelegen, daß es mit meiner Strecke heute vor allem bergab geht. Ein paar leichte Zwischenanstiege erinnern mich daran, welche Muskelgruppen ich gestern hauptsächlich benutzt habe. Es geht über Revo und Cles bis in die Nähe von Mezzolombardo. Wenig Aufregendes, aber ein paar schöne Serpentinen mit entsprechend schönen Ausblicken auf den "Lago di Santa Giustina" erfreuen mein Auge.

Im Laden der Cooperativa erstehe ich eine Minisprühdose WD40, es kommt mir sehr gelegen, daß hier die SuperSize.Me- Mentalität noch nicht angekommen ist. Ich hatte mir schon Gedanken gemacht, wie ich mit einem Sechserpack WD40 0.7l-Büchsen mit +33% Bonus- Inhalt  aus dem Sonderangebot einen Wurzeltrail hinabholpern könnte, ohne die Balance zu verlieren. Jedenfalls läuft jetzt alles wieder wie geschmiert!

Unterwegs gibt es als Highlight eine beeindruckende Schlucht bei Taio zu sehen. Leider ist die Welt voller Lebensmüder, die man durch engmachige, flächendeckende Fangnetze von der zweckentfremdeten Nutzung der Schlucht abhalten muß. Glücklicherweise entdecke ich in voller Fahrt ein Loch darin genau an der Stelle, an der auch ich mein Ojektiv platzieren wollte, exakt im Duchmesser einer ordentlichen Optik. Quieeeetsch.. Also, mehr als ausreichend Platz für meine kleine Knipse. Danke, unbekannter Fotograf!

Getreu meinem Tourmotto: `Wisse niemals am Morgen, wo Du am nächsten Tag aufwachen wirst`, schiebe ich die Entscheidung bezüglich der weiteren Routenführung ersteinmal auf und beschließe am Kreisel vor Mezzolombardo, noch ein paar weitere  Höhenmeter zu opfern und diesem Städtchen eine Chance zu geben. Eine gute Entscheidung! Der unvermeidliche Latte Macchiato im centro storico bringt dann auch die Antwort auf die Frage nach der Unterkunft. `Al-ber-go-del-Sole` Klingt gut, liegt gut, ist gut.

Am späten Abend gelingt es mir noch, ein paar Bilder so zu verkleinern, daß der myblog.de-Server sie klaglos schluckt.. Ein fast perfekter Tag, auch ohne Geheimnisse..


 Lago di Santa Giustina

 

Huebsche Burg bei Cles

 

Hier hat schon mal jemand vorgebohrt ;-)


Die Schlucht bei Taio

 

 Mezzolombardo centro storico

 

 Mezzolombardo centro storico (2)

 

Wein statt Äpfeln

 

7.9.13 12:35, kommentieren

Etappe 6: Von Meran zum Gampenjoch

Auch dieser Tag bewirbt sich bei mir um den Titel `mein Tag`. Ich gebe ihm eine faire Chance, das Wetter ist wieder perfekt, und ich gebe nicht Gas, sondern Gravitation, was das Zeug hält, um die letzten Serpentinen Richtung Meran hinunterzurollen. Das Tal eröffnet in jede Richtung wunderschöne Blicke, Apfelplantagen und Berge, sattes Grün, soweit das Auge reicht. Da stört es erstmal nicht weiter, daß mich die Ladeanzeige der Knipse über ihren wahren Powerzustand täuscht (die 3 Balken schmelzen schneller dahin als ein Gletscher in der Augustsonne). Aber um ein Haar hätte es dieser Tag im Wortsinn bei mir verk****t. Jedenfalls hatte ich die rechte Pedale komplett mit den Hinterlassenschaften eines Nachfolgers der Gattung `lupus` dekoriert. Aber kein Problem, mit ein paar Kubikmetern Quellwasser, einem kräftigen Stöckchen und dem Einsatz einer halben Stunde Reisezeit hat sich das Problem fast von selbst gelöst. Und die letzten Reste lassen sich mit der Hälfte des Vorrats an Küchentüchern, die ich freudig strahlend über den Reschenpass bugsiert hatte, mühelos wegreiben..

So, nun steht die Knipsbatterie bei 1 Balken und bleibt glücklicherweise auch eine Weile dort, was mir die Chance gibt, in Meran kurz ein paar Fotos von der `Schwarzen Katze` zu schiessen, und eine freundliche Kellnerin kann ich auch motivieren, vom Vinschgauer Tor und mir nebst Rad ein paar gestellte Erinnerungs-Fotos zu knipsen. Aber es ist wahnsinnig heiss und überfüllt in der Stadt und zum Einkehren ist es noch zu früh am Tag. So mache ich auch an der Forst-Brauerei in Algund nur einen kurzen Zwischenstop, der Biergarten ist sowieso überfüllt und ich habe ja heute noch ein bisschen etwas vor. Auf dem Parkplatz vor dem Biergarten sieht es aus, wie auf der Motorradmesse in Mailand.. Kurvenzielwasser gibt`s hier also auch.. Noch bin ich unschlüssig, welcher der beiden verbliebenen Routenalternativen ich folgen soll, und da sie bis Lana fast identisch ziemlich flach und `naturnah` erst durch ein Gewerbegebiet, dann aber über die mittagsheiße Landstraße führen, kann ich die Entscheidung noch eine Weile aufschieben. Am Ortsausgang Richtung Marling bewundere ich die gewagte 3dimensionale Verkehrsführung, und bin schnell in dem Labyrinth zwischen Autobahnauffahrten, Fluss, Eisenbahnstrecke und Umspannwerk gefangen, das GPS hilft erstmal auch nur bedingt weiter. Aber ein paar Kreisverkehre weiter wird es wieder ländlich: Äpfel, Äpfel, Äpfel soweit das Auge reicht!

In Lana angekommen (ein nettes Örtchen, welches mit seiner Idylle davon abzulenken sucht, das es als Ausgangspunkt beschwerlicher Aktivitäten bekannt ist), nehme ich ersteinmal temporär Quartier in einem netten Biergarten an der Brücke (Forsterbräu), und nutze die Gelgenheit, meine und die FotoBatterien wieder aufzuladen. Also, nach einem Radler und der wirklich besten! Specknödelsuppe, die ich je bekommen habe, fühle ich mich bereit für die anspruchsvollere der beiden Routen: 1,2km bis zum Gampenpass :-) Höhenkilometer! Also, auf geht`s! Ja ganz richtig, auch hier hilft: Einfach mal einen Gang `runterschalten..

Die ersten 100 Höhenmeter sind trotz der Hitze zügig abgespult, hier und da noch ein paar Fotos über`s Tal in die angenzenden Berge, und die Serpentinen schrauben sich endlos in die Höhe. Irgendwo verpasse ich einen Abzweig, was sich aber, wie so oft, als ganz guter Wink Schicksals erweisen wir. Dadurch bekomme ich die Gelegenheit, von der brütend heißen Asphaltstrasse abzuweichen und einen kleinen Umweg durch den kühlen Wald zu nehmen, über Steinbrücken aus vermutlich römischer Zeit, vorbei an einer malerisch im Wald gelegenen Mühle, dann aber einen extrem steilen Weg hinauf. Da ist mit Packtaschen hinten nichts zu machen, der Gaul scheut.. Auf dem Weg bieten sich noch ein paar spektakuläre Blicke auf die umliegenden Berge und auf eine Apfelplantage auf 700m Höhe. Es wird dann doch ein bisschen mühsam, bei 1000 Hm gibts noch ein schnelles Radler und ein paar Fotos auf Bozen in der Abendsonne, und nachdem das Gefühl überwunden ist, daß jetzt gar nichts mehr geht, geht`s wieder fast wie von selbst weiter.

Noch einen Tunnel und eine Galerie passiert, und schon stehe ich auf 1500m und sehe: fast nichts! weil ringsum Wald ist. Aber fotografiert ist für heute sowieso genug, für ein Zielfoto treicht das Licht gerade noch, und dann nehme die Einladung der Wirtin des Gampenpass-Gasthofes an und verschiebe die Abfahrt auf morgen. Das hat sich als gute Wahl in jeder Hinsicht herausgestellt: Lecker Hirten-Spaghetti, lecker Zitronen-Quarktorte und nette Gäste (2 Motobiker aus NL und zwei aus D, mit letzeren beiden habe ich einen wirklich netten, feuchtfröhlichen Abend verbracht! Nochmal Grüße an Euch! und auch an die Wirtin mit der seeehhhr tiefen Stimme: Der Williamsbrand auf`s Haus war ausgezeichnet und kam genau zur rechten Zeit :-) ) [die Sache mit den Photos macht sich noch ein bisschen zäh, wird dann zuhause am PC schön gemacht]

 

4.9.13 23:58, kommentieren

Etappe 5: Vom Vinschgau nach Meran

Heute ist mein Tag! Nachdem das Wetter den Radler eher in der Hardangervidda als in Südtirol zu sein wähnen ließ, startete dieser Morgen.mit Kaiserwetter. Durch den Luftdruckwechsel war die Luft superklar, und.das Ortlergebirge wechelte seine Farbe von zartem Morgenrot bis schneeweiss vor stahlblauem Himel. Nun stand auch die Sonne.richtigherum, um den gewässerten Kirchturm von Graun postkartengerecht abzubilden. Wie kitschig kann die Realität noch sein? Jedenfalls bereue ich nun doch, kein Öl eingepackt zu haben.. Fürs Rad? - nein, für den Auslöser meiner kleinen Knipse.. Ok, die Euphorie war nicht nur dem schönen Wetter.geschuldet, sondern auch der Vorfreude auf eine 80km lange Abfahrt von 1500.auf 230m. Gerade noch kann ich die Idee auf die Do-It-Later-Liste verlegen, noch einen Tag zu bleiben und spontan einen Abstecher (ohne Gepäck) zum Stilfserjoch einzuschieben. Also, nicht verzetteln, bis zum Gardasee sind's noch ein paar Radumfänge. Und aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und ein MTB ist kein Rennrad. Also, es geht weiter an der Graun'er Seite am Reschensee entlang, alle paar Meter klickt der Auslöser, da der Blick noch! schöner ist.als der vorherige. Und bevor es bergsab geht, kann ich in St. Valentin noch meine Internetkarte aufladen, d.h. es besteht die Chance, bald auch ein paar Fotos zu posten. Und dann ist sie da: die Langersehnte, in dieser Richtung lang Vermisste: die Hangabtriebskraft. Magisch zieht mich die Gravitation (im globalen Maßstab winzig, aber lokal sehr beeindruckend) auf fast perfekt asphaltierten Wegen einerseits Richtung Erdmittelpunkt, andererseits Richtung Meran. Hui, wie sich die Bremsen freuen! Und Gott lobe den Obi, die samstäglichen langen Öffnungszeiten in Österreich, das reichhaltige Angebot an Imbusschlüsseln und meine frischen Bremsbeläge! Durch wunderschöne Ortschaften mit lustigen Namen und bestens sanierten uralten Burgen, Häusern und Kirchen, und phantasievoll gestalteten Brunnen. Meine Reifen fangen an, die ständigen Vollbremsungen für spotane Fotostops zu hassen. . Auf diese Weise bin ich jetzt in Glurns angekommen, sitze auf dem Marktplatz und geniesse einen Eisbecher 'Schöne Birne Helene'. Der Name ist ein wohltuender Kontrast zu dem anderswo üblichen Brauch, mäßig schmeckende Drinks mit Namen aufzuwerten, die mit 'O' anfangen, und 'O' steht dann nicht für Orangensaft.. Keine Hoffnung, die wirken nicht! Also zurück nach Glurns: Ich hätte gern ein Foto von der Helene gepostet, der Becher war nicht nur schön, sondern auch riesig. Hatte dazu einen Wettbewerb zwischen der rechten Hand mit der Knipse und der linen.Hand mit dem Eislöffel ausgeschrieben. Was soll ich sagen: Die linke hat gewonnen :-)  - und ich bin kein Linkshänder!

Nachtrag: An dem Regentag auf dem Weg nach Pfunds traf ich in einem trockenen Unterstand einen wohlmeinenden weisen Biker, der viel herumgekommen ist. Und er gab mir mit: Die Strecke nach Meran mußt Du bis 11:00 bewältigt haben, sonst trifft Dich der Vinschgauer Wind, und dann mußt Du auch berab strampeln. Ich muss zugeben, der Mann kannte sich aus! Immerhin räumte die Fließrichtung des Flüsschens FIUME ADIGE neben mir jeden Zweifel aus, bergab unterwegs zu sein. Aber konstant 20.. 30km/h Gegenwind können auf Dauer schon ganz schön an den Waden ziehen! Egal, so hatte ich länger Zeit, diese wunderschöne Landschaft zu geniessen und abzulichten. Apfelplantagen und Burgen, soweit das Auge reicht, flankiert von abrupt aus dem Nichts aufsteigenden Bergen, die aber trotzdem ein sattes Grün zur Schau stellen. Ein Abstecher nach Prad am Stilfserjoch hat sich nicht so ganz gelohnt, führt mich aber wieder auf MTB-gerechte Waldwege und ein weiterer Abstecher gibt einen schönen Blick auf das romantische Schloß von Goldrain frei.

Ich werde nie verstehen, warum die Römer unbedingt nach Norden wollten.. Ich hätte den Limes auf dem Alpenhauptkamm errichtet und die missmutig dreinschauenden weissbärtigen Germanen sich ihr Wetter mit Met schönsaufen lassen.. Wie heisst eigentlich midlife-crisis auf Latein? Zwischendurch bekam ich von einer freundlichen Anwohnerin sowohl die Erlaubnis, ein Photo aus ihrem Garten in die Umgebung zu schiessen (der optimale Kamerastandpkatz war halt dort), als auch zwei Pfirsiche direkt vom Baum in die Hand gedrückt, mit der Bemerkung, sie wären dieses Jahr nicht so süß, jedenfalls aber ohne Chemie.. Ich habe noch nie! süßere Pfirsiche gegessen!

 PS: mal sehen ob es unterwegs noch mit den Photos klappt, mein Android-Tablett und der Internetstick sind hintereinander in der Nahrungskette angeordnet, und sie streiten noch um die Platzierung..

Nun liegen bereits 250km hinter mir (ein Blick auf meine Waden sagt mir: ja, da hat sich etwas geändert....die Farbe: Sonnenbrand!!!)

Morgen muss ich dann entscheiden, wieviel Höhenluft ich mir bis Riva noch gönnen will, ergo, welche Variante ich weiterfahre. Aber: morgen ist morgen, und heute ist wohlverdientes Bier.. Die Ortlergruppe über den Reschensee gesehen Nun halt über die Wiese, hab` ja kein Tretboot :-)

3.9.13 11:56, kommentieren

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