Mit dem Rad von Garmisch an den Gardasee

Etappe 4: Von Pfunds über den Reschenpass ins Vinschgau

Jetzt habe ich mir einen Latte Macchiato redlich verdient. Bin heute morgen von dem netten Hotel in Pfunds über die Kajetansbrücke bis nach Martina (CH) geradelt. Das letzte Stück führte durch eine malerische enge Schlucht, die bei besserem Wetter richtig schöne Fotos hergegeben hätte. Dafür gab es unzählige Motorradfahrer mit grimmigen Gesichtern und weissen Schnurrbärten, die versetzt hintereinander fuhren (Was bedeutet eigentlich `Chapter` außerhalb der Heiligen Schrift??) Auf der Tour waren 3 Grenzen zu passieren: A-CH, CH-A, A-Italia. Ohne eine einzige Zollkontrolle! In jedem Fall bilden die Einheimischen in jedem der Länder in diesem Gebiet eine Minderheit, die urlaubende Bevölkerung wird eindeutig durch das gefühlt bevölkerungsreichste Land Europas dominiert: NL. Nette Leute, die immer freundlich sind, ob sie sich auf dem Carbon-Liegerad den Reschenpass hochquälen oder mit dem Porsche Cayenne übergroße Motoryachten auf 1500m über den Meeresspiegel bugsieren. Macht das Sinn? Der Meeresspiegel wird auch durch die Erderwärmung nicht gleich auf diese Höhe ansteigen! Aber vielleicht wissen die Holländer mehr?

Also, in Martina am Brunnen nochmal Wasser fassen (nicht zuviel: Gewicht! / nicht zu wenig: Durst!) und dann lustvoll die Serpentinen zum Reschenpass hinauf. Das Training vor der Tour hat seine Wirkung nicht verfehlt, das Zusatzgewicht des Gepäcks wird durch den mäßig steilen Anstieg (7 Prz.) aufgewogen. Es geht zügig mit 8..10km/h voran, die Pulsuhr pendelt sich bei 145 ein, und die Euphorie, gleich nach Italien zu kommen, wird nur durch einen sichtlich unerfahrenen Wohnanhängerpiloten (Kennzeichen CH) gebremst, der völlig vergessen zu haben scheint, dass sein dickes Zugfahrzeug viel schmaler ist als das Schneckenhäuschen, das er hinter sich herzieht. Als ob es in Italien keine Hotels gäbe.. Aber vielleicht war's ja auch Schweizer Präzision, 1cm Abstand ist 1cm Abstand, mehr könnte ja Verschwendung sein...

Jetzt nähern aber der Latte M. und das Radler, welche hier am wunderschönen Reschensee direkt vor mir stehen, ihre Temperatur langsam einander an. Erstmal Prost und Cheers!

Nachtrag: Ja tatsächlich, es gibt ihn, den Kirchturm, den man direkt in den Bergsee hinein gebaut hat. Es wäre sicher auch noch Platz außerhalb des Wassers gewesen, aber dann wäre dieser Landstrich um ein wirklich reizvolles Fotoomotiv ärmer.. (Foto s. Etappe 5)

2.9.13 16:25, kommentieren

Etappe 3: Von Imst ins 3Ländereck (Pfunds)

Hier hat es fast die ganze Zeit geregnet, da ist mein Notizblock nass geworden ;-)

Wird natuerlich noch nachgetragen..


Die Burg von Landeck, leuchtet weit ins Tal hinein..

2.9.13 16:24, kommentieren

Etappe 2: Von Biberwier über den Fernpass nach Imst

Der Start in den 2. Tag bringt mir eine alte Weisheit ins Bewusstsein zurück: Wer auf Reisen ist, ist auf der Suche. Manchmal nach sich selbst, manchmal nach der nächsten Wegbiegung, meistens aber nach profanen Dingen, wie der Zahnbürste oder dem Kabel zum Handyladen. Aber irgendwann ist der ganze Wanderzirkus wieder in Sack&Pack verstaut und der Drahtesel wiehert vergnügt in der Morgensonne..

Der Start in diesen Tag hat es in sich, es geht auf Schotter und über Grasland zwar naturnah, aber unerbittlich bergauf, die niedrigsten Gänge sind angesagt, und die Durchschnittsgeschwindigkeit gibt auch fußläufigen Urlaubern die Chance, immer wieder mal zu mir aufzuschließen. Das liegt aber auch daran, daß ich meine kleine Taschenkamera immer wieder aus dem Radshirt fingern muss, um junge Haubentaucher oder wahlweise bejahrte Pferde abzulichten, die sich dieselbe Koppel mit glücklichen Rindviechern teilen, denen der letzte Regen die lila Farbe abgewaschen hat. Wer hat die Taschen eigentlich am Rücken platziert??? Aber da der Reissverschluss vorn ist, bin ich ziemlich sicher, das Shirt richtig herum angezogen zu haben. Es ist wie immer: Man gewöhnt sich auch an diese Yoga-Übung am besten durch oftmaliges Wiederholen..





Also, immer weiter bergauf, und irgendwann sagt mir mein Navi, dass ich mich auf über 1200m befinde und tief unter mir den Fernpass zu erblicke, über den die Autos Stossstange an Stosstange den Eingang der Alpen erreichen. Die 200extra Höhenmeter haben sich definitiv gelohnt, um nicht im Abgas und Lärm der Autokolonne fahren zu müssen, und die kilometerlange, wenn auch steile und enge Abfahrt über Stock und Stein und Wurzelwerk entschädigt mich für die Mühe.



Dabei stellt sich auch heraus, dass meine Entscheidung zugunsten der Packtaschen für m e i n e Wegführung goldrichtig war, das Rad liegt wie ein Porsche auf dem Weg und läßt sich trotzdem ausreichend leichtfüssig bewegen. Ein kurzer Stop am Hotel Fernsteinsee (die fangfrische Forelle probiere ich definitiv beim nächsten Mal), und schon geht es bergab Richtung Imst.



Dort wartet der Obi auf mich, da ich noch dringend einen Imbus zum Wechsel meiner Scheibenbremsbeläge brauche, den ich doch vergessen hatte, einzupacken. Und die Bremsbeläge hätte ich doch besser noch vor der Tour gewechselt (wollte die Tour nicht mit dem Einfahren der Bremsen beginnen),, aber lieber spät als zu spät..

Also, um es kurz zu machen: Bremsenreparatur lief erfolgreich, dank Inet gleich noch eine Anleitung gegoogelt, und nun steht der Abfahrt vom Alpenhauptkamm nicht mehr viel im Weg. Außer dem Alpenhauptkamm selbst..

2.9.13 16:22, kommentieren

Etappe 1: Garmisch-Bieberwier

So, nun ist es soweit. Die existiellen Fragen sind geklärt: Passen alle Klamotten, elektronischen Kleinteile, Ladeadapter für 3 Länder, Werkzeug etc. in den Rucksack, 2 Packtaschen, und einen Packsack, den ich in letzter Minute noch erstanden hatte. Ja, alles passt, und ein Blick auf die Waage (brutto 9.7kg) gibt mir Hoffnung, daß ich vor einer anspruchsvollen, aber eigentlich lösbaren Aufgabe stehe. So muß sich der FC Bayern München dereinst vor dem Spiel gegen Cottbus gefühlt haben (welches er dann ca. 5:2 verloren hatte) Siegesgewissheit ist eine nette Sache, ein Sieg eine noch Bessere..Die nächste Frage (mit der Bahn oder dem Auto nach Garmisch ?) entscheidet der Fahrkartenautomat der Bahn spontan durch totstellen. Also mit dem Auto. Würde 1h Gesamtfahrzeit sparen..Wenn der liebe Gott Eschenlohe in Niedersachsen platziert hätte, wo es sprachlich gesehen besser hinpassen würde, und nicht an strategisch ungünstiger Stelle ans Ende der Garmischer Autobahn.. Stauzeit: 1h.. Ich komme also fast zeitgleich mit dem Zug in Garmisch an, finde einen Parkplatz vor einem netten Privatgrundstück (`Wenn Sie noch ein bisschen an das Auto vor Ihnen aufschliessen, passt das schon`), und schon sitze ich auf dem Rad und pedaliere bei herrlichem Sonnenschein vorerst über bestens asphaltierte Feldwege auf die innereuropäische Grenze zur Republik Österreich zu. Als echtes Erlebnis erweist sich der Kiosk an der Grenze, noch auf deutscher Seite. Hier gibt es noch Kaffee wie in guter alter Zeit zubereitet.. Wieso eigentlich `wie` ? Aber EUR wird auch hier schon als Zahlungsmittel akzeptiert, und der Kuchen war zwar nicht billig, aber LECKER! Der Weg führt nach der Grenze meist unspektakulär am Fluss entlang, aber wenn die Sonne scheint, sind die paar Kilometer bis Ehrwald schnell von den Reifen abgespult. Irgendwie schwitze ich unter dem Rucksack und komme im Supermarkt auf eine Idee, die sich als ausgesprochen praktikabel erweisen wird: Ein Mikrofaser-Bodentuch schafft für wenig Geld perfekte Abhilfe. Inzwischen haben sich die kleinen Anstiege der scheinbar fast flachen Strecke auf 400 Höhenmeter addiert, was mir die innere Berechtigung gibt, diesen ersten Abend mit einem extra Weissbier zu beschliessen.

Angekommen in Bieberwier bleibt festzustellen: Hier ist der Hund begraben! Das Zimmer im `Alpina Regina` ähnelt eher einer Mönchszelle (das passt gut, ich bin ja zur inneren Einkehr hier), hat aber einen schönen großen Balkon mit Blick auf das Wettersteingebirge in der Abendsonne.. Es soll Leute geben, die extra mit dem Rad herfahren, um diesen Anblick zu geniessen.. Und die extatischen Lachsalven einer Rentnertruppe aus dem Land der Polder und Windmühlen können meinen sanften Schlaf nun auch nicht mehr stoppen. 

31.8.13 07:58, kommentieren

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