Mit dem Rad von Garmisch an den Gardasee

Etappe 5: Vom Vinschgau nach Meran

Heute ist mein Tag! Nachdem das Wetter den Radler eher in der Hardangervidda als in Südtirol zu sein wähnen ließ, startete dieser Morgen.mit Kaiserwetter. Durch den Luftdruckwechsel war die Luft superklar, und.das Ortlergebirge wechelte seine Farbe von zartem Morgenrot bis schneeweiss vor stahlblauem Himel. Nun stand auch die Sonne.richtigherum, um den gewässerten Kirchturm von Graun postkartengerecht abzubilden. Wie kitschig kann die Realität noch sein? Jedenfalls bereue ich nun doch, kein Öl eingepackt zu haben.. Fürs Rad? - nein, für den Auslöser meiner kleinen Knipse.. Ok, die Euphorie war nicht nur dem schönen Wetter.geschuldet, sondern auch der Vorfreude auf eine 80km lange Abfahrt von 1500.auf 230m. Gerade noch kann ich die Idee auf die Do-It-Later-Liste verlegen, noch einen Tag zu bleiben und spontan einen Abstecher (ohne Gepäck) zum Stilfserjoch einzuschieben. Also, nicht verzetteln, bis zum Gardasee sind's noch ein paar Radumfänge. Und aufgeschoben ist nicht aufgehoben, und ein MTB ist kein Rennrad. Also, es geht weiter an der Graun'er Seite am Reschensee entlang, alle paar Meter klickt der Auslöser, da der Blick noch! schöner ist.als der vorherige. Und bevor es bergsab geht, kann ich in St. Valentin noch meine Internetkarte aufladen, d.h. es besteht die Chance, bald auch ein paar Fotos zu posten. Und dann ist sie da: die Langersehnte, in dieser Richtung lang Vermisste: die Hangabtriebskraft. Magisch zieht mich die Gravitation (im globalen Maßstab winzig, aber lokal sehr beeindruckend) auf fast perfekt asphaltierten Wegen einerseits Richtung Erdmittelpunkt, andererseits Richtung Meran. Hui, wie sich die Bremsen freuen! Und Gott lobe den Obi, die samstäglichen langen Öffnungszeiten in Österreich, das reichhaltige Angebot an Imbusschlüsseln und meine frischen Bremsbeläge! Durch wunderschöne Ortschaften mit lustigen Namen und bestens sanierten uralten Burgen, Häusern und Kirchen, und phantasievoll gestalteten Brunnen. Meine Reifen fangen an, die ständigen Vollbremsungen für spotane Fotostops zu hassen. . Auf diese Weise bin ich jetzt in Glurns angekommen, sitze auf dem Marktplatz und geniesse einen Eisbecher 'Schöne Birne Helene'. Der Name ist ein wohltuender Kontrast zu dem anderswo üblichen Brauch, mäßig schmeckende Drinks mit Namen aufzuwerten, die mit 'O' anfangen, und 'O' steht dann nicht für Orangensaft.. Keine Hoffnung, die wirken nicht! Also zurück nach Glurns: Ich hätte gern ein Foto von der Helene gepostet, der Becher war nicht nur schön, sondern auch riesig. Hatte dazu einen Wettbewerb zwischen der rechten Hand mit der Knipse und der linen.Hand mit dem Eislöffel ausgeschrieben. Was soll ich sagen: Die linke hat gewonnen :-)  - und ich bin kein Linkshänder!

Nachtrag: An dem Regentag auf dem Weg nach Pfunds traf ich in einem trockenen Unterstand einen wohlmeinenden weisen Biker, der viel herumgekommen ist. Und er gab mir mit: Die Strecke nach Meran mußt Du bis 11:00 bewältigt haben, sonst trifft Dich der Vinschgauer Wind, und dann mußt Du auch berab strampeln. Ich muss zugeben, der Mann kannte sich aus! Immerhin räumte die Fließrichtung des Flüsschens FIUME ADIGE neben mir jeden Zweifel aus, bergab unterwegs zu sein. Aber konstant 20.. 30km/h Gegenwind können auf Dauer schon ganz schön an den Waden ziehen! Egal, so hatte ich länger Zeit, diese wunderschöne Landschaft zu geniessen und abzulichten. Apfelplantagen und Burgen, soweit das Auge reicht, flankiert von abrupt aus dem Nichts aufsteigenden Bergen, die aber trotzdem ein sattes Grün zur Schau stellen. Ein Abstecher nach Prad am Stilfserjoch hat sich nicht so ganz gelohnt, führt mich aber wieder auf MTB-gerechte Waldwege und ein weiterer Abstecher gibt einen schönen Blick auf das romantische Schloß von Goldrain frei.

Ich werde nie verstehen, warum die Römer unbedingt nach Norden wollten.. Ich hätte den Limes auf dem Alpenhauptkamm errichtet und die missmutig dreinschauenden weissbärtigen Germanen sich ihr Wetter mit Met schönsaufen lassen.. Wie heisst eigentlich midlife-crisis auf Latein? Zwischendurch bekam ich von einer freundlichen Anwohnerin sowohl die Erlaubnis, ein Photo aus ihrem Garten in die Umgebung zu schiessen (der optimale Kamerastandpkatz war halt dort), als auch zwei Pfirsiche direkt vom Baum in die Hand gedrückt, mit der Bemerkung, sie wären dieses Jahr nicht so süß, jedenfalls aber ohne Chemie.. Ich habe noch nie! süßere Pfirsiche gegessen!

 PS: mal sehen ob es unterwegs noch mit den Photos klappt, mein Android-Tablett und der Internetstick sind hintereinander in der Nahrungskette angeordnet, und sie streiten noch um die Platzierung..

Nun liegen bereits 250km hinter mir (ein Blick auf meine Waden sagt mir: ja, da hat sich etwas geändert....die Farbe: Sonnenbrand!!!)

Morgen muss ich dann entscheiden, wieviel Höhenluft ich mir bis Riva noch gönnen will, ergo, welche Variante ich weiterfahre. Aber: morgen ist morgen, und heute ist wohlverdientes Bier.. Die Ortlergruppe über den Reschensee gesehen Nun halt über die Wiese, hab` ja kein Tretboot :-)

3.9.13 11:56

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