Mit dem Rad von Garmisch an den Gardasee

Etappe 6: Von Meran zum Gampenjoch

Auch dieser Tag bewirbt sich bei mir um den Titel `mein Tag`. Ich gebe ihm eine faire Chance, das Wetter ist wieder perfekt, und ich gebe nicht Gas, sondern Gravitation, was das Zeug hält, um die letzten Serpentinen Richtung Meran hinunterzurollen. Das Tal eröffnet in jede Richtung wunderschöne Blicke, Apfelplantagen und Berge, sattes Grün, soweit das Auge reicht. Da stört es erstmal nicht weiter, daß mich die Ladeanzeige der Knipse über ihren wahren Powerzustand täuscht (die 3 Balken schmelzen schneller dahin als ein Gletscher in der Augustsonne). Aber um ein Haar hätte es dieser Tag im Wortsinn bei mir verk****t. Jedenfalls hatte ich die rechte Pedale komplett mit den Hinterlassenschaften eines Nachfolgers der Gattung `lupus` dekoriert. Aber kein Problem, mit ein paar Kubikmetern Quellwasser, einem kräftigen Stöckchen und dem Einsatz einer halben Stunde Reisezeit hat sich das Problem fast von selbst gelöst. Und die letzten Reste lassen sich mit der Hälfte des Vorrats an Küchentüchern, die ich freudig strahlend über den Reschenpass bugsiert hatte, mühelos wegreiben..

So, nun steht die Knipsbatterie bei 1 Balken und bleibt glücklicherweise auch eine Weile dort, was mir die Chance gibt, in Meran kurz ein paar Fotos von der `Schwarzen Katze` zu schiessen, und eine freundliche Kellnerin kann ich auch motivieren, vom Vinschgauer Tor und mir nebst Rad ein paar gestellte Erinnerungs-Fotos zu knipsen. Aber es ist wahnsinnig heiss und überfüllt in der Stadt und zum Einkehren ist es noch zu früh am Tag. So mache ich auch an der Forst-Brauerei in Algund nur einen kurzen Zwischenstop, der Biergarten ist sowieso überfüllt und ich habe ja heute noch ein bisschen etwas vor. Auf dem Parkplatz vor dem Biergarten sieht es aus, wie auf der Motorradmesse in Mailand.. Kurvenzielwasser gibt`s hier also auch.. Noch bin ich unschlüssig, welcher der beiden verbliebenen Routenalternativen ich folgen soll, und da sie bis Lana fast identisch ziemlich flach und `naturnah` erst durch ein Gewerbegebiet, dann aber über die mittagsheiße Landstraße führen, kann ich die Entscheidung noch eine Weile aufschieben. Am Ortsausgang Richtung Marling bewundere ich die gewagte 3dimensionale Verkehrsführung, und bin schnell in dem Labyrinth zwischen Autobahnauffahrten, Fluss, Eisenbahnstrecke und Umspannwerk gefangen, das GPS hilft erstmal auch nur bedingt weiter. Aber ein paar Kreisverkehre weiter wird es wieder ländlich: Äpfel, Äpfel, Äpfel soweit das Auge reicht!

In Lana angekommen (ein nettes Örtchen, welches mit seiner Idylle davon abzulenken sucht, das es als Ausgangspunkt beschwerlicher Aktivitäten bekannt ist), nehme ich ersteinmal temporär Quartier in einem netten Biergarten an der Brücke (Forsterbräu), und nutze die Gelgenheit, meine und die FotoBatterien wieder aufzuladen. Also, nach einem Radler und der wirklich besten! Specknödelsuppe, die ich je bekommen habe, fühle ich mich bereit für die anspruchsvollere der beiden Routen: 1,2km bis zum Gampenpass :-) Höhenkilometer! Also, auf geht`s! Ja ganz richtig, auch hier hilft: Einfach mal einen Gang `runterschalten..

Die ersten 100 Höhenmeter sind trotz der Hitze zügig abgespult, hier und da noch ein paar Fotos über`s Tal in die angenzenden Berge, und die Serpentinen schrauben sich endlos in die Höhe. Irgendwo verpasse ich einen Abzweig, was sich aber, wie so oft, als ganz guter Wink Schicksals erweisen wir. Dadurch bekomme ich die Gelegenheit, von der brütend heißen Asphaltstrasse abzuweichen und einen kleinen Umweg durch den kühlen Wald zu nehmen, über Steinbrücken aus vermutlich römischer Zeit, vorbei an einer malerisch im Wald gelegenen Mühle, dann aber einen extrem steilen Weg hinauf. Da ist mit Packtaschen hinten nichts zu machen, der Gaul scheut.. Auf dem Weg bieten sich noch ein paar spektakuläre Blicke auf die umliegenden Berge und auf eine Apfelplantage auf 700m Höhe. Es wird dann doch ein bisschen mühsam, bei 1000 Hm gibts noch ein schnelles Radler und ein paar Fotos auf Bozen in der Abendsonne, und nachdem das Gefühl überwunden ist, daß jetzt gar nichts mehr geht, geht`s wieder fast wie von selbst weiter.

Noch einen Tunnel und eine Galerie passiert, und schon stehe ich auf 1500m und sehe: fast nichts! weil ringsum Wald ist. Aber fotografiert ist für heute sowieso genug, für ein Zielfoto treicht das Licht gerade noch, und dann nehme die Einladung der Wirtin des Gampenpass-Gasthofes an und verschiebe die Abfahrt auf morgen. Das hat sich als gute Wahl in jeder Hinsicht herausgestellt: Lecker Hirten-Spaghetti, lecker Zitronen-Quarktorte und nette Gäste (2 Motobiker aus NL und zwei aus D, mit letzeren beiden habe ich einen wirklich netten, feuchtfröhlichen Abend verbracht! Nochmal Grüße an Euch! und auch an die Wirtin mit der seeehhhr tiefen Stimme: Der Williamsbrand auf`s Haus war ausgezeichnet und kam genau zur rechten Zeit :-) ) [die Sache mit den Photos macht sich noch ein bisschen zäh, wird dann zuhause am PC schön gemacht]

 

4.9.13 23:58

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