Mit dem Rad von Garmisch an den Gardasee

Es gibt Dinge im Leben, die hat man nie gekannt, und plötzlich ist man ganz besessen davon.. Ein Effekt, den die Werbeindustrie gern zur Absatzsteigerung nutzt.. Hätte Ötzi je geglaubt, daß ihm nur das passende Deo fehlt, um nach einer durchzechten Nacht frisch und munter zu einer Bergwanderung aufbrechen zu können, die dann nicht seine Letzte gewesen wäre? Und in Ermangelung desselben hätte er sich ja immer noch eine Dose Limonade aufreißen und nach Hause fliegen können :-)

Mich hat das Alpencross-Virus irgendwie schleichend infiziert. Vielleicht war es in dem Moment, als mir der Radhändler meines Vertrauens beim Kauf meines heißgeliebten Cubes ernsthaft mitgab, ich solle vor dem Start der Alpenüberquerung nochmal zur Durchsicht bei ihm vorbeischauen. Ich hatte ihm 2 Minuten vorher erklärt, daß ich das Rad als Grundlage für ein Ebike kaufen wollte und nicht geplant hätte, damit größere Höhenunterschiede mit Muskelkraft zu überwinden. Ich sah ihn fassungslos an, und er lächelte vielsagend zurück, mit dem Gesichtsausdruck eines Arztes, der sich seiner Diagnose absolut sicher ist.

Die Idee mit dem Elektromotor fanden meine durchtrainierten (und auch viel jüngeren Kollegen) so absurd wie die Vorstellung, der Name Cube hätte etwas mit eckigen Laufrädern zutun.. So verwarf ich diese und begann ich mich mit der Vorstellung anzufreunden, man könnte so ein Rad auch bestimmungsgemäß mit purer Muskelkraft antreiben. Das siegesgewisse Gesicht meines Radmonteurs begann mir in unruhigen Traumphasen  manchmal zuzulächeln, und der melodische Klang des Ortsnamens Riva del Garda schien mir manchmal aus dem monotonen Surren der Reifen herauszuklingen.

Es war also passiert, ich war infiziert, und der Virus leistete ganze Arbeit: Ich begann einschlägige Webseiten zu verschlingen, kaufte mir ein überteuertes Navi, dessen Batterie noch kürzer hält als die meines Smartphones, legte mir putzige Taschen in einer Farbe zu, wie sie normalerweise Signalwesten von Bahnangestellten haben, rüstete mich so aus, dass ich auf eine Südpolexpedition genauso gut vorbereitet wäre wie auf eine Saharadurchquerung, und steuerte zu Trainingszwecken ab und zu höhergelegene Gasthöfe mit dem Rad an. Nur um mit zwei Beinen etwas zu tun, was mit dem rechten Fuss allein ganz einfach wäre, sofern er leicht wippend auf einem Gaspedal ruhte..

 

 

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